Geschichte von der Köchin mit dem grossen Herzen

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Meine Grossmutter Väterlicherseits, stammte aus Süddeutschland. Von dort kam sie nach Basel und arbeitete sich bis zur Köchin in einer Basler Bankiers Familie hoch. Ihr Arbeitgeber behandelte sie gut und nahm sie auch an kulturelle Anlässe mit. Daher hatten Männer bei ihr auch keine Chance. Sie wollte nicht alles für einen Ehemann aufgeben, vernünftig, aber für eine Frau mit Jahrgang 1893 sehr emanzipiert.

Auch mein Grossvater fand bei ihr keine Gnade. So heiratete er eine Cousine, welche ihm auch kurz nacheinander 2 Knaben gebar. Leider starb die Mutter seiner ersten beiden Söhne im Wochenbett. Und der Neugeborene Knabe kam zusätzlich noch mit einer Spina Bifida zur Welt.

Mein Grossvater nahm den grösseren Sohn Emil an der Hand und ging mit ihm und mit dem Baby Theodor im Arm nach Basel, zum Haus wo meine Grossmutter arbeitete. Als er so vor ihr stand, konnte meine Grossmutter nur noch Ja zu meinem Grossvater sagen.

Sie heiratete meinen Grossvater, wurde sogleich die liebende Mutter von Emil und Theodor und bekam selber im Alter von 39 Jahren noch den Sohn Max, gefolgt von Hans, Robert und zum Schluss Paul. Die Knaben kamen wie die Orgelpfeifen Jahr um Jahr, obschon sie unter ärmlichen Umständen lebten.

Meine Grossmutter hat nie einen Unterschied zwischen den eigenen und den Stiefsöhnen gemacht. Es waren alles ihre Buben, welche sie zu rechtschaffenen Männern aufzog. Sie schützte sie gegen die Zornausbrüche des Vaters, achtete darauf dass sie zur Schule gingen und zeigte immer ihr grosses Herz.

Sie war schon über 70, als mein Vater meine Mutter heiratete. Als meine Grossmutter erfuhr, dass meine Mutter neben dem „schwierigen“ Französisch auch Englisch spreche, lernte sie als Vorbereitung für die Schwiegertochter fleissig Englisch. Dieses versuchte sie auch anzuwenden, um die Schwiegertochter willkommen zu heissen. Mit meiner Mutter nahm sie gleich auch meine Lieblingstante, welche da schon nur noch meine Mutter hatte unter ihre Flügel. Dies blieb zeitlebens so…sie fragte immer auch nach der „kleinen Schwester“ meiner Mutter. Auch ich konnte diese Grossmutter selber kennenlernen, sie starb erst  mit 91 Jahren.  Mein Grossvater, der etwas jünger als sie war folgte ihr wenige Jahre später, ebenfalls mit 91. Alle 6 Söhne sind noch am Leben, der Jüngste ist 80 Jahre alt.

Mich riefen meine Onkel als Kind immer „Lieseli“ weil sie fanden ich gleiche ihrer Mutter. Na ja, später hiess ich dann „Heugümper“ (Grashüpfer), wegen meiner langen Beine.

4 Gedanken zu “Geschichte von der Köchin mit dem grossen Herzen

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