Umgang mit Andersartigen

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Als Kinder kann man so etwas noch. Als meine 3 Riesen noch klein, bzw jung waren, leitete ich mehrmals die Woche Spielgruppen.

Einmal fragte mich eine Mutter per Telefon an, ob ich mir vorstellen könnte, ihr behindertes Kind aufzunehmen.

Spontan antwortete ich der Mutter: „Grundsätzlich ja, was siehst du für Schwierigkeiten?“

Nachdem das geklärt war, nahm ich das 4 jährige Mädchen in eine meiner Gruppen auf. Ich machte mit der Mutter aus, dass wir es zuerst mal eine Weile testen und wir dann entscheiden ob es passt.

Das Mädchen war mit einer Spina Bifida und einem Wasserkopf zur Welt gekommen. Sie konnte wacklig ein paar Schritte laufen, trug Windeln und im Kopf  irgendein „Abflussventil“. Sie sollte weder auf den Kopf geschlagen werden noch umfallen und wickeln musste ich sie auch. Im Nachhinein wundere ich mich selber, wie locker ich das Ganze nahm.

Es war schnell klar, dass es überhaupt keine Probleme geben würde. Die anderen Kinder, alle so zwischen 3 und 4 Jahre alt und ansonsten rechte Rabauken passten sich ohne Ermahnung den Umständen an.

War S, wegen Krankenhaus Aufenthalten nicht dabei, rannten sie wild durch den Raum. Und bei Kreisspielen, bei welchen wir uns an den Händen hielten, fielen ohne S im Kreis, bald alle in einem Knäuel um.

War S im Raum, wurde nicht getobt. Beim ersten Kreisspiel mit S, überlegte ich noch ob ich etwas sagen solle. So von wegen „gebt Acht auf S“. Aber das war nicht nötig. Ich nahm S zwar zur Sicherheit zu mir an meine Hand, aber das wäre nicht nötig gewesen. Die kleinen Rabauken wussten instinktiv was zu tun war. Sie bewegten sich nur langsam und vorsichtig, so das S mitkam.

Das ganze Jahr über, gab es überhaupt kein Problem. Die Probleme begannen erst, als die Eltern S in den Kindergarten anmelden wollten. Die Schulpflege wollte kein „Präjudiz“ schaffen und deshalb S nicht aufnehmen. Sie sagten, auch wenn es gut gehe, würde dann Tür und Tor für alle Behinderten geöffnet. Ich traute echt meinen Ohren nicht und liess dies telefonisch auch die Schulbehörde wissen. Zähneknirschend erlaubten sie schlussendlich S dann auch den Besuch des  örtlichen Kindergartens und der Primarschule. Zum Glück hat sich da in den letzten 18 Jahren viel bewegt. Nicht nur für die „behinderten“ Kinder, sondern auch für die „normalen“ Kinder ist normale Durchmischung bereichernd.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4 Gedanken zu “Umgang mit Andersartigen

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